Gedichte, Kinderverschen und Lieder

Beiträge zu weiteren Liedern und Gedichten, Kinderversen etc. werden gern entgegengenommen

Du stolze Stolzenburg

von Heinrich Oczko

Wuchtig in den blauen Himmel ragt ihr Mauern hoch empor
und dem staunenden Betrachter klingt ein altes Lied im Ohr:

„An der Saale hellem Strande
stehen Burgen stolz und kühn.
Ihre Dächer sind verfallen
und der Wind streicht durch die Hallen,
Wolken zieh’n darüber hin…“

Doch die Schöpfer dieser Mauern wohnten nicht am Saalestrand,
Sachsen, tücht’ge Bauern war’n es, aus dem Siebenbürgerland.
Ihrer Arbeit Früchte waren stets dem Vaterland von Nutzen,
durch den Bau von Burgen konnten sie auch starken Feinden trutzen.
Von dem Glanz vergang’ner Zeiten künden diese Burgruinen,
voller Wehmut und Bewund’rung stehen heute wir vor ihnen.
Denn, was unsre Ahnen schufen, sind wir heute nicht imstand!
Ihre Spuren leuchten jetzt noch durch das weite, schöne Land.
Wie ein undurchsicht’ger Nebel liegt die Zukunft vor uns hier.
Daß sie Licht und Sonne bringe und auch Frieden, wünschen wir!

Bei einem Besuch der Stolzenburg in den 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts bat Pfarrer Ernst Schneider seinen Gast
und Freund aus Agnetheln, Heinrich Oczko, ein paar Verse in das Gästebuch der Stolzenburg zu schreiben.

Der Autor schrieb diese Zeilen vor Ort, aus dem Stegreif.
(Doris Hutter, Tochter, die als Kind dabei war)

Neujahrswünsche:

Schellenberg:
Ich wäntschen Ich en gläcklich nåå Johr, Ihrer Gieß groo Hoor, Ihrem Iësel långk Ihren, giët mer en Lee, ich bän gefrieren.

Stolzenburg:
Ich waintschen Ich an gläcklich nau Gəhr, Ihren Kasten vaull Kîəren, Ihren Häəf vaull Schweng, Ihren Kåller vaull Weng, Ihren Staull vaull Vah, Guottes Seijen uch derba.

Der folgende Text ist eine Parodie auf das Siebenbürgen-Lied, unsere Landeshymne. Man kann es sogar mit der Originalmelodie singen. Es wäre interessant zu wissen, ob der Text auch in anderen Ortschaften bekannt war:

Stolzenburger Parodie auf das Siebenbürgen-Lied,

Siwwen Birren, zwinzig Eipel, Såck vəll Nutschen uch ən Piëlz,
dänn de Koirschen sen zə daier
ənd uch niët gerîəden haier wa än Heilt uch Mächelsbårch,
wa än Heilt uch Mächelsbårch.

(übermittelt von Martin Klein, Hof)

Stolzenburger Winterlied

Was vom Gedicht von Schuster Dutz in Stolzenburg hängenblieb:

Et schnaut, et schnaut, et råmpeln Fläǝken,
dǝ Näǝs wit ruit uch blîǝ dǝ Huontch,
dǝ Glätschaisen hein gericht um Hîǝken.
Zǝm Nîǝber wit dǝt Schwiëng gesuontch*.
Nä kut ihr Zinnebäckeltcher** ǝrun, kut ǝrun!
Doi wit ǝn Hoibesstäck bekun,
doi mir det Loid weall sångyen.

*= gesengt
** wörtlich: Zinnböcklein

(übermittelt von Elisabeth Renges, geb. Hallmen)

Gäden Appetit,

woi näst bekit, äs bekrit!

Åf de Gåss gîăhn ich, ruit Paputschen drăhn ich, woi mich setch, doi weall mich hun, åwer hëi wit mich niët bekun…

Stolzenburg:
Reine, reinən, dat et schitt, dat de motter hoime kit, uch es broit uch bäoufloisch git!

Raiu maiu Häouwer än‘t Eischken/Geißken (=Gässchen), Mealtch än‘t Fleischken, ruide Stoinchen, Kampesthoiftchen, Zitzu mitzu niëder, häsch Vijeltchen! (Die Kinder nehmen sich an den Händen, drehen sich im Kreis und gehen bei „Zitzu mitzu“ in die Hocke).

Erhalten v. Marianne Galbacs

Osternacht v. Karl Gerok, 1867

Dieses Lied wurde vom Stolzenburger Chor im Ostergottesdienst vorgetragen:

Osternacht, Osternacht,
Hast der Welt das Licht gebracht!
Da aus blut’gen Grabgewanden
In der Früh der Herr erstanden
Glühst du auf in Morgenpracht,
Osternacht! Osternacht!

Ostertag, Ostertag,
Wecke, was im Grabe lag!
Blumen sprossen, Quellen springen,
Kinder jubeln, Engel singen;
Jauchze, was noch jauchzen mag:
Ostertag! Ostertag!

Osterlicht, Osterlicht,
Das durch trübe Wolken bricht!
Silberschäfchen ziehn im Blauen,
Sonnenschein beglänzt die Auen;
Leucht auch mir ius Angesicht,
Osterlicht! Osterlicht!

Ostergrün, Ostergrün,
Bricht aus tausend Ritzen kühn!
Schnee zerschmilzt in allen Ecken,
Goldnes Grün umsäumt die Hecken;
Hoffnung laß auf Gräbern blühn,
Ostergrün! Ostergrün!

Osterluft, Osterluft,
Leis gewürzt mit Veilchenduft!
Weckst mit deinem süßen Weben
Greise wieder neu ins Leben,
Zauberst Blumen aus der Gruft,
Osterluft! Osterluft!

Osterklang, Osterklang,
Glockenton und Lerchensang!
Schwinge deine Silberflügel
Festlich über Tal und Hügel;
Tröstend geh die Welt entlang,
Osterklang! Osterklang!

Osterheld, Osterheld,
Siegreich kommst du aus dem Feld;
Jauchzend klingt’s in allen Landen:
Christ, der Herr, ist auferstanden;
Segnend wandle durch die Welt,
Osterheld! Osterheld!

Schreib in den Sand

Das folgende Gedicht, dessen Verfasser (mir) unbekannt ist, fand ich auf einem Foto*,
das eine siebenbürgisch-sächsische Wohnstube zeigt*, als Wandspruch, so wie wir diese auch aus unseren eigenen Häusern und Stuben kennen, nach dem Motto: „Morgenstund‘ hat Gold im Mund“ und ähnliche**:

Schreib in den Sand, die dich betrüben.
Vergib (oder: vergiss) und schlaf darüber ein.
Denn was du in den Sand geschrieben,
das wird schon morgen nicht mehr sein.

Schreib in den Stein, was du erfahren
an Freude, Seligkeit und Glück.
Es gibt der Stein nach langen Jahren
dir die Erinnerung zurück.

Schreib in dein Herz all deine Lieben
in Ost und Nord und Süd und West.
Denn was du in dein Herz geschrieben,
das steht für alle Zeiten fest.

*besagtes Foto stammt aus dem Buch von Marc Schroeder:
Order 7161, erschienen 2021 (Foto- und Textdokumentation der Deportation 1945 der Deutschen aus Rumänien in die Sowjetunion)

** Foto: Marianne Galbacs

Zum Abschied

Mer sen nä ha zesummen kun,
well ihr nä zaht esi får dervun.
Da wuot mir blaiwen än der Hoimet zräck,
mir waintschen ech allen von Haurze viel Gläck.
Refrain: Dink gåren hoimen…
De Hoimetëird doit esi woi,
mir sahn aus viellicht näkend moi.
Mir waintschen ech vun Haurzen nor det:
Vergeißt än der Fremd ihr Hoimet net.
Refrain: Dink gåren hoimen…
And soil et ech oist lichter găhn,
dat ihr et nemi kiënnt erdrăhn,
dră kut kei Sieweberjen zräck,
ha blaht ech ang ihr Hoimetgläck.
Refrain: Dink gåren hoimen…

(Text übermittelt von Elisabeth Renges geb. Hallmen
09.03.2023)

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