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Was gibt es neues  aus und von den Stolzenburgern?
 
Hier veröffentlichen wir gerne auch Ihren Beitrag rund um Stolzenburg und seine “Gestalten”.
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25. November
 
 Kathreinentag - Mer gîăhn än‘t Thiater!

Zur Zeit der Eintage, d. h. wenn die Tage kürzer werden, die Feldarbeit beendet und auch das Erntedankfest mit dem geschmückten Altar, den schönsten Früchten des Feldes und den riesigen Ähren- und Asternkränzen vorbei war, wurde der Spinnrocken rausgeholt und die Erwachsenen gingen abends in die Roockestuww oder  zur Chor-, Tanz- oder Theaterprobe. Am 25. November wurde nämlich im Saal nicht nur zum Kathreinenball geladen, sondern auch meistens ein Volksstück dargeboten.

So war es jedenfalls bis vor 40-50 Jahren.

Zu der Zeit waren die Lehrer zusätzlich zum Schulunterricht auch zu „Kulturarbeit“ mit den Erwachsenen verpflichtet. Meine Mutter war mit ihren Kolleginnen für das Einstudieren eines Theaterstückes verantwortlich und hat, trotz vieler Verpflichtungen und eines vollen Arbeitstages, diese zusätzliche Aufgabe mit allabendlichen Proben sehr gerne übernommen, da es mit den talentierten Laienspielern der Gemeinde immer lustig zuging und viel gelacht wurde. Es war für sie alle eine Möglichkeit, zu entspannen und die Alltagssorgen für kurze Zeit hinter sich zu lassen.
Höhepunkt und ein Muss für jedermann war dann die Premiere am Abend des Kathreinenballs. Die Generalprobe fand am selben Nachmittag statt, da durften dann auch die Kinder dabei sein. Auf jeden Fall musste alles vor dem 1. Adventsonntag buchstäblich über die Bühne gehen, da ja bekannterweise auch die Adventszeit Passionszeit war (und ist!) und danach bis Weihnachten nicht getanzt oder gar ausgelassen gefeiert werden durfte.

Eine weitere Theateraufführung „mit Ball“ fand meistens noch anlässlich des Mariatages am 2. Februar oder alternativ auch an Ostern statt.

Einige der Mundartstücke waren so erfolgreich, dass die Stolzenburger Theatergruppe auch in den Nachbardörfern auftrat,  „Der Dani Misch wird härresch“ schaffte es sogar bis nach Heltau!!!

Bei einer solchen Gastvorstellung in der Nachbargemeinde Großscheuern war meine Mutter vor der Aufführung mit Helfern dabei, das Bühnenbild zu gestalten, also eine Bauernstube einzurichten. Kommoden, Stühle, Gardinen und Wandbilder wurden herangeschleppt und an ihren Platz gestellt bzw. gehängt. Eine Großscheurner Helferin fragte gleich zu Beginn meine Mutter: „Fra Loihrerän, breochen Se net uch en Deesch?“ Meine Mutter dachte, die Frau meint „Dej“ (gleiche Aussprache wie Deesch). Das war nämlich der Name des rumänischen Präsidenten Gheorghe-Gheorghiu Dej, dessen großformatiges Porträt zu der Zeit in jeder Amtsstube und in jedem Klassenzimmer hängen musste. Meine Mutter verneinte. Nach einiger Zeit fragte die gute Frau wieder, ob nicht auch ein „Deesch“ benötigt werde, aber meine Mutter antwortete lachend, so als ob sie sagen wollte, dass Politik und Ideologie auf ihrer Bühne keinen Platz hätten: „Nä, nä, den Dej broche mer det mol net!“

Als dann die Stube fast komplett eingerichtet war, atmete meine Mutter erleichtert auf und sagte schließlich zu den Helfern: „Esi, und na broche mer nor noch en Däsch!“, worauf die Frau verzweifelt rief: „Dåt hun ich Se jo de geonz Zetch gefrächt!!!“

Ich wünsche allen Katharinen, Trengis und Kathis einen wunderschönen Namenstag! Und da erst vor ein paar Tagen auch die Elisabeth ihren Ehrentag hatte, gratuliere ich auch allen, die Lisi, Lis oder Lisken heißen! Bleibt gesund!  (Astrid Karin Thal, geb. Schneider, im November 2020)
 
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'Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind...                                                                        Im  Juli 2020

- Kindergottesdienst in Stolzenburg -

Ja, manchmal waren es wirklich nur zwei: der Pfarrer, also mein Vater, und ich! An sommerlich-heißen Sonntagnachmittagen versuchte man meist, wenn sich die Gelegenheit bot, zu den Badeseen nach Salzburg zu gelangen. War das nicht möglich, suchten sich die Erwachsenen ein schattiges Plätzchen im Garten oder im kühlen, dicken Gemäuer des Hauses für ein Mittagsschläfchen und die Kinder waren froh, sich selbst überlassen zu sein.  Ich aber musste erst mal zum Kindergottesdienst. Manchmal waren noch zwei, drei andere Kinder dabei - ich erinnere mich z. B. an drei Schwestern aus dem Transchement, etwas jünger als ich - aber nicht selten war ich das einzige Kind im Unterricht.

Im Sommer fand der Kindergottesdienst nicht in der Sakristei sondern in der Vorhalle des Südportals statt, mit der alten Kirchentüre als Kulisse, auf der heute noch die Lutherworte 'Ein' feste Burg ist unser Gott...' zu lesen sind.

Da saßen wir uns nun gegenüber, mein Vater und ich: wir beteten, sangen einen Choral oder zwei und dann musste ich aus der Bibel vorlesen. Hier habe ich das erste Mal die Namen der biblischen Orte Kapernaum, Galiläa, Genezareth, Gethsemane,  Mesopotamien, Kapadokien, Phrygien, etc. gehört, sie kamen mir vor wie aus Tausendundeinernacht.
45 Jahre später sollte ich auf einer Rundreise durch Israel einige dieser Orte mit eigenen Augen sehen dürfen. Wie sehr hätte ich es auch meinen lieben Eltern gegönnt, die historischen Stätten der Bibel selber zu besuchen, aber es hat nicht sollen sein. -

Der Sommer wehte einen unbeschreiblichen Duft nach Heu und Blüten in die Vorhalle (waren es die Akazien oder der Holunder?) und die hohen Bäume im Kirchhof spendeten großzügig Schatten an diesen heißen und friedlichen Sonntagnachmittagen. Schnell noch das Vaterunser heruntergebetet und weg war ich, auf der Suche nach den Freundinnen.

Ganz anders sah das im Spätherbst und Winter aus: wenn es auf Weihnachten zuging, vor allem am 1. Adventsonntag drängten sich fast alle Kinder der Gemeinde in den Gottesdienst, denn jedes wollte zumindest ein Gedicht vortragen, die schüchternen fanden einen Platz im Kinderchor und die Konfirmanden durften ein Krippenspiel aufführen. Jetzt war richtig Leben in der Bude, sprich in der Sakristei und der Kirche!

Heute, mehr als ein halbes Jahrhundert später: was gäbe ich dafür, noch EINMAL an einem heißen Sommertag in der kühlen Vorhalle unserer Kirche meinem Vater gegenüber zu sitzen, in den schattigen grünen Kirchhof zu blicken und von Kapernaum und Kapadokien zu träumen. - -

Astrid Karin Thal, geb. Schneider im Jahre 2020

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Zu früh geläutet!

Wie die meisten Stolzenburger meiner Generation oder noch älter wissen, begann der Sonntagsgottesdienst im Sommer um 10 und im Winter um 11 Uhr. So circa. Denn ganz exakt auf die Minute war es nicht immer möglich.

Zunächst zum „in die Kirche läuten“, das aus einer Zeit stammt, als die Menschen noch keine Uhren hatten und das Läuten auch an Werktagen die Zeit angab, nämlich das Morgen-, Mittags- und Abendläuten, also die sogenannte Betglocke:

„Et liëtch än de Kirch!“:
Zuerst läutete der Pfarrer ein kleines Glöckchen, das außen an der Hauswand des Pfarrhauses gegenüber der Kirche angebracht war, jedoch bequem von innen mit einem Hebel betätigt werden konnte. Das hörte die Kirchendienerin, diese begab sich schnell in die Kirche, wo sie gleich am Südeingang mit einem langen Seil das Glöckchen oben im Dachreiter betätigte. Dies wiederum vernahm der Burghüter oben auf der Burg und nun läutete er erst jede der drei Glocken einzeln, ungefähr im Abstand von ca. 10 Minuten und danach alle drei Glocken zusammen, dann hieß es: Et liëtch zesummen! Zu diesem Zeitpunkt waren alle Kirchgänger angekommen, auch diejenigen, die weiter weg oder gar am Ende der Gemeinde wohnten. Denn sie wussten genau, ob sie beim ersten, zweiten oder dritten Läuten losgehen mussten, um pünktlich da zu sein. Sie standen dann entweder im Kirchhof Spalier oder saßen schon in der Kirche.
 Bei dem letzten, dem Zusammenläuten aller drei Glocken, kam dann der Pfarrer, meistens mit seiner Familie. Die Pfarrersfrau war auch Lehrerin und zwar eine gewissenhafte: Sie schleppte jeden Tag einen Stapel Schulhefte mit nach Hause zum Korrigieren, hatte drei Kinder und einen großen Haushalt zu führen mit Gemüse-, Blumen- und Obstgarten und schaffte es trotzdem meistens, sowohl das Sonntagsmittagessen zu kochen UND zum Gottesdienst zu erscheinen.
Wie sie das  hinkriegte, ist mir bis heute ein Rätsel.
Demzufolge konnte es schon mal vorkommen, dass sie meinem Vater zurief: „Warte noch ein wenig mit dem Läuten!“ Oder, wenn das Glöckchen am Haus schon bimmelte und die Maschinerie, neudeutsch der Countdown, bereits in Gang gesetzt war:
„Jesses, Erni, ist es denn schon so spät? Ich bin noch nicht fertig mit den Mittagsvorbereitungen und muss mich ja auch noch fertig machen!?“
So wartete mein Vater dann noch gnädig ein paar Minuten, war aber doch immer bestrebt,  den Gottesdienst pünktlich zu beginnen.
Ich sehe meine Mutter heute noch, wie sie abgemüht und abgehetzt (heute sagt man ‚gestresst‘) von der Küchenarbeit, schnell in die Sonntagsklamotten schlüpfte, mit Hut und Handschuhen, Handtasche und Gesangbuch gerüstet, losging und neben meinem Vater Schritt zu halten versuchte, während er, mit Bibel und Gesangbuch unterm Arm, in Gedanken vielleicht schon bei seiner Predigt, gemächlich und weit ausschritt.
Heute glaube ich, dass es noch viele Hausfrauen im Dorf gab, die auch erleichtert waren, wenn die Glocken nicht immer pünktlich läuteten und sie vor dem Kirchgang noch einiges im Haus erledigen konnten, ähnlich der Fra Fårrerän oder, wie man in einigen Gemeinden in Siebenbürgen sagte, Fra Muotter.

Was mir ebenfalls bis heute schleierhaft geblieben ist: Wie schaffte es meine liebe Nachbarin, bei der ich mehr als meine halbe Kindheit verbracht habe, drei konfirmierte Mädchen in Tracht anzuziehen und trotzdem auch noch selber pünktlich zum Gottesdienst zu erscheinen? Eben grad noch hatte sie uns dreien die letzten Maschen und Fruonsen angelegt, so dass wir beim dritten Läuten bequem losschlendern konnten - wir hatten es ja nicht weit - und als wir, die Gruißmaid im Gänsemarsch in die Kirche einzogen und unsere Plätze im Chor der Kirche einnahmen, saß meine Nachbarin ebenfalls schon bei den Frauen auf ihrem gewohnten Platz.

Vor dem Gottesdienst

Buch

In den 50er und frühen 60er Jahren hätten es einige gern gesehen, wenn der Pfarrer ohne seine Familie zum Gottesdienst erscheint: Der rumänische Schuldirektor hatte nämlich der Pfarrersfrau, die ja auch Lehrerin an der Staatsschule war, nahe gelegt, dass es von den Staatsorganen nicht gern gesehen werde, wenn sie und die Kinder auch zur Kirche gingen. Am besten sollten vor allem die Söhne am Sonntagvormittag anderweitig beschäftigt werden, mit Lesen oder Hausaufgaben zum Beispiel. Meine Mutter hat sich jedoch nicht davon abbringen lassen, ihren Glauben zusammen mit ihrer Familie auszuüben. Sie fragte sich aber oft, ob es nur Zufall war, dass der Schuldirektor P. wiederholt genau dann, wenn die Pfarrersfamilie auf dem Weg zur Kirche war, auf der gegenüberliegenden Hauptstraße vorbei spazieren musste?!

Das war nur die eine Seite der Medaille. Gute „Ratschläge“ gab es aber auch von der anderen Seite: Der Arbeitgeber und Vorgesetzte meines Vaters ließ ihm gegenüber einmal Ähnliches verlauten, nämlich dass es nicht gern gesehen werde, wenn die Frau des Pfarrers in der Staatsschule, also in einem kommunistisch-ideologisch geprägten Bereich Dienst tue. Mit drei Kindern und einer großen Gemeinde sei ja auch so schon genug zu tun für eine Mutter und Pfarrersfrau…

So also war damals das Leben vum Härr Fårr uch der Fra Loihrerän: Zwischen zwei (wenn auch ungleichen) Mächten! Man musste schon aufpassen, nicht zerrieben zu werden. Ich glaube, meine Eltern haben es tapfer gelebt, das Leben, nach bestem Wissen und Gewissen, ohne ihr Gesicht zu verlieren. -

(Astrid Karin Thal geb. Schneider, Oktober 2020)

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