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'Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind...                                                                        Im  Juli 2020

- Kindergottesdienst in Stolzenburg -

Ja, manchmal waren es wirklich nur zwei: der Pfarrer, also mein Vater, und ich! An sommerlich-heißen Sonntagnachmittagen versuchte man meist, wenn sich die Gelegenheit bot, zu den Badeseen nach Salzburg zu gelangen. War das nicht möglich, suchten sich die Erwachsenen ein schattiges Plätzchen im Garten oder im kühlen, dicken Gemäuer des Hauses für ein Mittagsschläfchen und die Kinder waren froh, sich selbst überlassen zu sein.  Ich aber musste erst mal zum Kindergottesdienst. Manchmal waren noch zwei, drei andere Kinder dabei - ich erinnere mich z. B. an drei Schwestern aus dem Transchement, etwas jünger als ich - aber nicht selten war ich das einzige Kind im Unterricht.

Im Sommer fand der Kindergottesdienst nicht in der Sakristei sondern in der Vorhalle des Südportals statt, mit der alten Kirchentüre als Kulisse, auf der heute noch die Lutherworte 'Ein' feste Burg ist unser Gott...' zu lesen sind.

Da saßen wir uns nun gegenüber, mein Vater und ich: wir beteten, sangen einen Choral oder zwei und dann musste ich aus der Bibel vorlesen. Hier habe ich das erste Mal die Namen der biblischen Orte Kapernaum, Galiläa, Genezareth, Gethsemane,  Mesopotamien, Kapadokien, Phrygien, etc. gehört, sie kamen mir vor wie aus Tausendundeinernacht.
45 Jahre später sollte ich auf einer Rundreise durch Israel einige dieser Orte mit eigenen Augen sehen dürfen. Wie sehr hätte ich es auch meinen lieben Eltern gegönnt, die historischen Stätten der Bibel selber zu besuchen, aber es hat nicht sollen sein. -

Der Sommer wehte einen unbeschreiblichen Duft nach Heu und Blüten in die Vorhalle (waren es die Akazien oder der Holunder?) und die hohen Bäume im Kirchhof spendeten großzügig Schatten an diesen heißen und friedlichen Sonntagnachmittagen. Schnell noch das Vaterunser heruntergebetet und weg war ich, auf der Suche nach den Freundinnen.

Ganz anders sah das im Spätherbst und Winter aus: wenn es auf Weihnachten zuging, vor allem am 1. Adventsonntag drängten sich fast alle Kinder der Gemeinde in den Gottesdienst, denn jedes wollte zumindest ein Gedicht vortragen, die schüchternen fanden einen Platz im Kinderchor und die Konfirmanden durften ein Krippenspiel aufführen. Jetzt war richtig Leben in der Bude, sprich in der Sakristei und der Kirche!

Heute, mehr als ein halbes Jahrhundert später: was gäbe ich dafür, noch EINMAL an einem heißen Sommertag in der kühlen Vorhalle unserer Kirche meinem Vater gegenüber zu sitzen, in den schattigen grünen Kirchhof zu blicken und von Kapernaum und Kapadokien zu träumen. - -

Astrid Karin Thal, geb. Schneider
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